Mein erster Impuls war, die Polizei zu rufen, aber dann sah ich mich in unserer Wohnung um – abblätternde Tapeten, eine nicht angeschlossene Heizung, meine Mutter, die aus dem Nebenzimmer hustete – und ich zögerte. Leute wie ich werden nicht ernst genommen. Man würde mich abwimmeln, mir sagen, es sei ein Scherz, mich auffordern, die Schuhe „mitzubringen, damit wir Beweise sichern können“, und dann würden die Schuhe in irgendeiner staubigen Kiste verstauben, während das Kind weiter um Hilfe bettelte.
Ich musste mehr wissen.
Ich untersuchte die Schuhe erneut, diesmal gründlicher, meine Finger suchten jede Naht, jeden Stich ab. Da spürte ich es – eine feste Beule unter der Ferse. Ich hebelte sie mit einem Buttermesser auf, bis etwas Metallisches auf den Tisch klirrte.
Ein winziger Anhänger. Silber. In Form eines Hausschlüssels.
Aber nicht irgendein Schlüssel.
Darauf war eine Zahl eingraviert: 717.
Ich starrte es an, als wäre es radioaktiv.
„Was ist es?“, fragte Stan.
„Ein Schlüssel“, flüsterte ich und spürte, wie mein Mund trocken wurde.
„Wohin?“
„Ich… weiß es noch nicht.“
An jenem Abend, nachdem ich Stan ins Bett gebracht und meiner Mutter ihre Medikamente gegeben hatte, saß ich an unserem wackeligen Küchentisch, den Schlüssel mit dem Anhänger in der einen und die Notizen in der anderen Hand. Die Zahlen – 717 – brannten sich mir ins Auge. Eine Zimmernummer? Ein Briefkasten? Eine Wohnungsnummer?
Ich habe kaum geschlafen.
Am Morgen brachte ich Stan in die Kita, gab ihm einen Kuss auf die Wange und ging direkt zum Flohmarktstand. Mein Herz wog die ganze Zeit wie zehn Tonnen.
Die Frau, die mir die Schuhe verkauft hatte, war wieder da und arrangierte alte Bilderrahmen auf einer Decke. Sie blickte auf und lächelte, bis sie mein Gesicht sah.
„Was ist los?“, fragte sie.
„Ich muss wissen, woher du diese Schuhe hast.“
Ihre Hände erstarrten.
„Warum?“, fragte sie scharf.
For complete cooking steps, go to the next page or click the Open button (>), and don't forget to SHARE with your Facebook friends